PROGLOVE

ProGlove ist ein Münchner Unternehmen, das im Dezember 2014 von ehemaligen Mitarbeitern von BMW und IDEO gegründet wurde. Es entwickelt intelligente Handschuhe, mit denen Produktions- und Logistikmitarbeiter schneller, sicherer und einfacher arbeiten können. Prozessschritte können freihändig dokumentiert werden und geben dem Benutzer sofortiges Feedback. Bei ProGlove stehen Ergonomie, Effizienz und Qualität im Mittelpunkt, da man gleichzeitig arbeiten und scannen kann.

Heute besteht das Unternehmen aus einem Team von 80 kreativen Köpfen: Mit Visualisierung, Prototyping und Kunden im Herzen hat ProGlove es sich zur Aufgabe gemacht, den Arbeiter mit dem industriellen IoT zu verbinden.

Ein Gespräch mit Thomas Kirchner, Gründer und CEO von ProGlove

Ihr habt 2015 den Gründerpreis der Wirtschaftswoche gewonnen. Was hebt Euch von anderen Startups ab?

Wir das sind Paul, Jonas, Alex und ich kommen zum einen aus dem Industriebereich und zum anderen aus der Innovationsberatung. Daher arbeiten wir bei ProGlove sehr viel mit der Design Thinking Methode: Ein Konzept zur kreativen Problemlösung. Zum Beispiel testen wir unsere neuen Prototypen in einem sehr frühen Status vor Ort bei unseren Kunden, lassen deren Input in die Entwicklung einfließen, bis das Produkt allen Kunden-Anforderungen entspricht. Das verkürzt unsere Entwicklungszeiten sehr.

Ein Unternehmen zu gründen ist immer ein großer Schritt und mit vielen Risiken verbunden. Habt Ihr jemals daran gedacht, was passiert, wenn es nicht funktioniert?

Wir haben schon früh gemeinsam an Projekten gearbeitet und Produkte zur Marktreife gebracht. Ich habe aber auch vor ProGlove Startups gegründet, die weniger erfolgreich waren, deshalb weiß ich wie es sich anfühlt, wenn es nicht klappt.

Ihr habt aus einem gewöhnlichen Kleidungsstück, einem Handschuh, eine technische Innovation gemacht. Wie seid Ihr auf diese Idee gekommen?

Paul führte während seines Studiums Besuchergruppen durch das Münchner BMW-Werk und bekam so einen Einblick in die Arbeitsprozesse des Automobilbaus. Dort bemerkte er, dass alle Werker Arbeitshandschuhe tragen. Gleichzeitig versuchen sowohl Werker als auch Manager entscheidende Sekunden im Scanprozess zu sparen. Mit dem Ziel den Arbeitern ein effizientes und ergonomisches Arbeiten zu ermöglichen, entwickelten wir im Jahr 2014 einen ersten Prototypen für einen intelligenten Handschuh und stellte diesen beim „Make it Wearable“ Wettbewerb von Intel im Silicon Valley vor. Wir konnten die Jury tatsächlich überzeugen und gewannen somit die Seedfinanzierung für die Gründung von ProGlove.

Wo wird ProGlove heute eingesetzt und welche neuen Anwendungsgebiete könnt Ihr Euch vorstellen?

Unsere Wearables kommen in erster Linie in der Produktion und Logistik zum Einsatz. Mittlerweile kümmert sich ein 80-köpfiges Team um rund 250 Kunden. Unsere Kunden kommen zum großen Teil aus der Autoindustrie (BMW, Audi), sind Zulieferer (Mahle) und Logistikspezialisten (Redcoon, Loxxess), aber auch im Retail und E-Commerce eignen sich viele Anwendungsfälle, wie zB. bei Penny und IKEA.

  • Die ProGlove Gründer
    Source: Deutscher Gründerpreis, Baerbel Schmidt

  • Der intelligente Handschuh
    Source: ProGlove

  • Anwendung in der BMW Lagerhalle Dingolfing
    Source: Guenther Schmied

  • Einsatz bei KUKA Logistics
    Source: ProGlove

  • Das ProGlove Team
    Source: ProGlove

  • Im Ersatzteilvertrieb von Porsche Holding Salzburg
    Source: Porsche Holding

Ihr vertretet den IoT Sektor, welche Rolle wird dieser Sektor in der Zukunft einnehmen und für welche Projekte interessiert Ihr Euch selbst?

Wir denken, dass der Mensch auch in Zukunft eines der wichtigsten Bestandteile der Industrie bleiben wird. Deswegen verbinden wir den Werker durch unsere smarten Wearables mit dem industrial IoT. Ich persönlichen hab viele neue Geräte in meiner Wohnung und versuche dort alles zu vernetzen. Coole Projekte gibt es zum Beispiel auf Kickstarter.

Jetzt habt Ihr Euer Produkt erst vor wenigen Jahren gelauncht, trotzdem würden wir gerne mit Euch einen Blick in die Zukunft wagen. Wo seht Ihr Euer Unternehmen langfristig?

Gerade erst haben wir unsere zweite Finanzierungsrunde mit 5,5 Millionen Euro abgeschlossen. Mit dem Geld möchten wir uns zum einen unsere Software-Entwicklung weiter vorantreiben und unsere Produkte weltweit skalieren. Seit Januar ist ein Teil unseres Teams in New York. Natürlich möchten wir auch in den USA weiter wachsen und trotzdem unsere Startup-Kultur beibehalten.

Ihr habt als Startup mit ProGlove ein innovatives Produkt auf den Markt gebracht, habt Ihr in Eurem täglichen Arbeitsleben auch gewisse Angewohnheiten in der sich Eure Innovationslust widerspiegelt?

Wenn man uns in unserem Office in München besucht, fallen dort sofort die vielen mobilen Wände mit den bunten Post-its darauf auf. Die Post-its sind für uns ein gute Werkzeug für eine erfolgreiche Teamarbeit. Die selbstklebenden Papiere geben jeden Gedanken ausreichend Raum, gleichzeitig ist man aber gezwungen neue Ideen zu konkretisieren und auf den Punkt zu bringen.

Durch die Gründung konntet Ihr sicher einige Erfahrungen sammeln. Was sind Eurer Meinung nach die entscheidendsten Aspekte? 

Wir glauben sehr an unser Team. Nur durch ein sehr gutes Team kann deine Idee am Ende auch ein Erfolg werden. Wir hatten bisher einfach unglaubliches Glück, dass wir auf unserem Weg immer fantastische Menschen getroffen haben, die mit uns gemeinsam an unserer Vision gearbeitet haben.

Wir danken dem Team von ProGlove für diesen Einblick in ihr Startup und wünschen ProGlove eine erfolgreiche Zukunft.

Source Titelbild: ProGlove