Nepal, das Land der Gebirge

Ein Erfahrungsbericht von Maria Stan

Nepal ist ein kleines Land in Südostasien, das vor allem für die hohen Gipfel und tiefen Täler des Himalaya bekannt ist. Allerdings gibt es hier noch mehr zu entdecken: Kultur, Religion und Menschen, die ganz anders sind als alles, das wir bis jetzt gekannt und gesehen haben. Hier kommt unsere Geschichte über abenteuerliche Wochen in dem Land der Gebirge, Yaks, Gebetsfahnen und einzigartiartigen Bräuche.

Wir kommen am Flughafen von Kathmandu an und nehmen uns einen Van zu unserem Hotel, das in Thamel, dem Touristenbezirk, liegt. Auf den überfüllten Straßen von Nepals Hauptstadt werden Auto fahren oder die Straße nur als Fußgänger überqueren zu großen Herausforderungen. Heute bleibt jedoch nicht viel Zeit, um die Stadt zu besichtigen, wir sind müde und müssen unsere Taschen für den nächsten Morgen packen; dann beginnt unsere Wandertour.

Um 3 Uhr morgens verlassen wir Kathmandu in einem Van und fahren durch weite, gewundene Täler. Nach 4 Stunden erreichen wir schließlich Ramechhap, ein staubiges Dorf mit einem winzigen Flughafen. Hier heben wir mit dem kleinsten Flugzeug ab, in dem ich bis jetzt war – innen ist nur Platz für 20 Personen, ohne die Piloten. Während des 40-minütigen Flugs werfen wir die ersten Blicke auf die weiten verschneiten Berge um uns herum. Auf 2860 Metern landet unser Flugzeug auf der extrem kurzen und steilen Rampe des Tenzing-Hillary Flughafens von Lukla, der den Ruf des gefährlichsten Flughafens der Welt innehat. Unser Wanderabenteur beginnt!

Wir bleiben 2 Wochen in den Bergen, wandern zwischen 2500 und 5600 Höhenmetern und ziehen in der Khumbu Region von einem Dorf zum nächsten. Nach den bedrohlich wirkenden, steilen Gratwanderungen wirken die Dörfer dank ihrer Einwohner friedlich und einladend. Die Einheimischen hängen Gebetsfahnen auf hohe Felsen oder Hängebrücken, damit ihre Mantra von dem Wind mitgenommen werden und Wohlwollen, Mitgefühl und Frieden verbreiten. Außerdem schnitzen sie ihre Mantras in Steine – sogenannte „Mani” Steine – und malen sie an Gebetsräder. Auf unserem Weg finden wir auch viele Stupa – das sind Meditationsplätze, an denen es Relikte von buddhistischen Mönchen gibt – sowie buddhistische Klöster und Tempel, der größte liegt in Tengboche. Obwohl über 80% der nepalischen Bevölkerung dem Hinduismus angehören, ist in den Bergregionen der Buddhismus dominant: die beiden unterschiedlichen Religionen teilen sich Nepal friedlich.

Wir besuchen das Sagarmatha National Park Museum im Namche Baazar und die Edmund Hillary Schule in Khumjung, laufen neben Eseln und Yak Karavanen her, nehmen an einer buddhistischen Zeremonie in Tengboche teil und essen auf über 4000m köstlichen Kuchen. Je höher wir kommen, desto mehr Wunder sehen wir, desto mehr Gipfel breiten sich vor uns aus…. und desto dünner wird die Luft. Mit dem Erreichen der 4500m Grenze macht sich der Sauerstoffmangel bemerkbar. Normalerweise bekommt man davon Kopfschmerzen und Atemnot, manche Menschen leiden sogar unter Übelkeit. Trotzdem motiviert uns die eindrucksvolle Aussicht auf riesige, unerreichbare Gipfel, weiterzugehen. Die Berge Ama Dablam (6812m), Nuptse (7861m), Lhotse (8516m), Mount Everest (8848m), Makalu (8485m) und unzählige weitere tauchen vor uns auf als wir immer höher hinaufsteigen.

Am 8. Tag unserer Wanderung erreichen wir das Everest Base Camp (5364m), das den Startpunkt aller Expeditionien auf den südlichen Teil des Mount Everest markiert, seit Tenzing Norgay und Edmund Hillary ihn 1953 erstmal bestiegen haben. Wir verbringen die Nacht in der höchsten Unterkunft der Region: Gorak Shep (5165m). Am nächsten Morgen stehen wir um 3.30 Uhr auf und überwinden die restlichen 400m zwischen Gorak Shep und dem Gipfel Kala Patthar (5643m). Die Sonne geht hinter dem Mount Everest auf und wir können dieses Naturwunder vom dem höchsten Punkt unserer Expedition aus bewundern.

In den nächsten Tagen überqueren wir den Cho La Pass (5420m) – der technisch anspruchsvollste Teil unserer Expedition, da wir Steigeisen benutzen müssen, um den über 5400m hohen Gletscher überqueren zu können – und besteigen den Goyko Ri (5357m), um noch einen Sonnenaufgang zu genießen. Nach mehreren Tagen, die wir über 4000m verbracht haben, sind wir an die Höhe gewöhnt, die Kopfschmerzen und die Atemnot hören langsam auf. Jetzt ist es an der Zeit, den 4-tägigen Abstieg anzutreten.

Nach 2 Wochen im Herzen der Berge fühlen wir uns von dem überfüllten und lauten Kathmandu überwältigt. Trotzdem gibt es auch hier noch viel zu entdecken. Wir besuchen buddhistische und hinduistische Tempel, wie den Affentempel (Swayambhunath), Bouddha Stupa und den Durbar Platz, beobachten lokale Sitten und essen traditionelle Gerichte. Am Abend schlendern wir auf der Suche nach den letzten Souvenirs durch enge Straßen, die regelrecht von Touristen geflutet werden.

Am nächsten Tag treten wir den langen Heimweg an und haben nicht nur Souvenirs (hauptsächlich Steine und Tee) dabei, sondern vor allem viele großartige Eindrücke vom Himalaya.