Buddies for Refugees – vielleicht hast Du schon Plakate auf dem Campus gesehen oder von diesem Projekt der Jungen Akademie der Technischen Universität München gehört. Die Idee ist, dass junge Flüchtlinge hier an der TU eine Art Mentor (den „Buddy“) bekommen, Vorlesungen besuchen und an Aktivitäten teilnehmen können und so einen Einblick in das Leben in Deutschland bekommen. Doch wie läuft diese Partnerschaft eigentlich ab? Was sollte man als Buddy mitbringen und was sind die größten Herausforderungen bei diesem Projekt? Wir haben mit Kathrin und Franziska vom Orga-Team gesprochen und die wichtigsten Fragen geklärt!

Was ist die Motivation der Buddies, sich hier zu engagieren und sich für die Flüchtlinge einzusetzen?

Kathrin möchte gerne möglichst „nahe“ am Geschehen helfen und nicht Kleidung oder ähnliches spenden. Sie hat schon gute Erfahrungen mit jungen Geflüchteten gemacht und findet, dass es an der Zeit ist, diese auch weiterzugeben. Natürlich kostet sie die Einarbeitung und ihr Engagement Zeit, aber wie sie beschreibt, ist das Tandemprojekt eine einmalige Chance auf eine 1:1 Integration, wo besonders die individuelle Persönlichkeit im Vordergrund steht.

Franziska hat bereits Erfahrungen bei ihrem Engagement in einer Aufnahmeeinrichtung von Flüchtlingen gesammelt und hat entdeckt, wie groß die Lernbereitschaft von Flüchtlingen sein kann und wie stark die Bereitschaft ist, in Deutschland anzukommen. Auf das konkrete Projekt ist sie hier durch Zufall gestoßen, findet vor allem aber die Unterstützung durch die Universität ein wichtiges Signal.

Was macht einen guten Buddy aus? Gibt es bestimmte persönliche Eigenschaften, die man haben sollte oder die das Engagement leichter machen?

Hier sind sich beide recht schnell einig: die wichtigste persönliche Voraussetzung ist Empathie.
Die Buddies (wie auch die Refugees) sind hier ungewohnten und fremden Situationen ausgesetzt, die ein hohes Maß an Rücksicht und Verständnis erfordern. Einfühlsamkeit steht hier ganz oben. Ein Buddy sollte außerdem Akzeptanz für kulturelle Unterschiede und Perspektiven mitbringen, wie zum Beispiel die unterschiedliche Auffassung der wichtigen deutschen Tugend „Pünktlichkeit“! Offenheit gegenüber fremden Menschen, Problemen, Lebensweisen und –situationen ist die Voraussetzung. Franziska und Kathrin erzählen auch, dass man eine gewisse Lockerheit mitbringen sollte – relaxt die Partnerschaft anzugehen machen das Kennenlernen und die Beziehung um Längen leichter. Fachwissen steht eher im Hintergrund, während diese Sozialkompetenzen für das Ziel von Buddies for Refugees die Grundlage sind.

Zentral für die einzelne Partnerschaft zwischen Buddy und Refugee ist das Matching – wie läuft das ab?

Welcher Buddy mit welchem Refugee ein Team bildet, entscheidet sich zum Beispiel je nach Fakultät oder nach Campus – Garching oder Innenstadt. Es wird also darauf geachtet, dass beide möglichst einfach Dinge miteinander unternehmen können. Generell kommen die Vorlesungen von jedem Studiengang für die Buddies in Frage, Beschränkungen gibt es bei NC-beschränkten Studiengängen, Medizin und Seminaren. Die Sprache kann für Flüchtlingen, die noch keine Deutschkenntnisse haben, ebenfalls limitierend sein, da zum Beispiel viele Bachelorvorlesungen auf Deutsch gehalten werden.

Gematched – und dann? Wie läuft eine Partnerschaft zwischen Buddy und Refugee ab?

Nach dem Matching wird alles Folgende individuell gestaltet. Es hängt also davon ab, was beide Seiten sich von der Partnerschaft wünschen und was sie daraus machen. Oft gibt es wöchentliche Treffen auf dem Campus oder zu verschiedenen Aktivitäten in der Freizeit. Es gibt auch organisierte Treffen, zum Beispiel Kochgruppen oder der gemeinsame Besuch des TU Films. Ob die Treffen eher professionell bleiben und sich auf die Universität beziehen oder ob sich eine echte Freundschaft entwickelt, hängt von den Erwartungen der beiden ab. An dieser Struktur kann man gut erkennen, dass bei diesem Projekt die individuelle Förderung der jungen Flüchtlinge im Vordergrund steht.

Hindernisse sind da, um sie zu überwinden – was sind die größten Herausforderungen in der Partnerschaft? Worauf sollte man als Buddy vorbereitet sein?

Franziska und Kathrin sind sich hier einig: die größte Herausforderung ist die Kommunikation. Wir nehmen effektive Kommunikation (vor allem zum Beispiel via E-Mail) als gegeben, jedoch sind die Flüchtlinge nicht unbedingt daran gewöhnt. Anfänglich ist die größte Hürde also die Vereinbarung von Treffen und der regelmäßige Kontakt. Hier wird auch noch einmal deutlich, dass „Bildung“ und „Studium“ für die Flüchtlinge erstmal nebensächlich sind. Wichtig sind eher ein Einblick in die deutsche Kultur und das Leben in Deutschland.

Buddies for Refugees ist ein junges Projekt der Jungen Akademie an der TU München und ist besonders auf den Input und das Engagement der Buddies und der Organisatoren angewiesen. Das Projekt basiert auf Freiwilligenarbeit und erfordert trotzdem Organisation und Professionalität. Trotz einem Start unter Zeitdruck ist das Projekt geglückt und konnte bisher eine sehr positive Bilanz verzeichnen, was auch von Uni-Seite bestätigt wird. Unterstützung kommt außerdem vom Sprachenzentrum, wo Deutschkurse für Flüchtlinge und Hilfe mit Sprachzertifikaten angeboten werden. Auch dieses Semester wird Buddies for Refugees fortgesetzt und wir hoffen, dass dieses Projekt auch in Zukunft erhalten bleibt!

Vielen Dank an Kathrin und Franziska, dass sie sich für unsere Fragen Zeit genommen haben! ☺

Weitere Informationen findest Du auf der Website.