Alkoholische Kreationen – ein Erfahrungsbericht

Es war Sommer, es war warm und man hatte den Tag im Englischen Garten verbracht und dabei keinen Gedanken an die Uni verschwendet. Warum auch? Die Prüfungen waren noch weit weg und man konnte sein Leben noch genießen. Als es dann allmählich Abend wurde und ein bisschen kühler, machte man sich auf zu gehen, aber der Tag war noch lange nicht vorbei. Nein, es wurde geplant sich später noch zu treffen um „richtig geile Cocktails“ zu mixen. Zu dem Zeitpunkt wollten wir in meinem Freundeskreis einen automatischen Cocktailmixer bauen, wo man nur noch auf einen Knopf drücken musste und schon wäre alles fertig. Und dafür musste ja erstmal der perfekte, einfach zu mixende Cocktail gefunden werden. Das konnte doch nur toll werden.

Man traf sich also bei mir zu gar nicht so später Stunde, man wollte ja viele verschiedene Kombis ausprobieren und versuchen selber ein Getränk zu kreieren, das bestmöglichst hohe Prozentzahlen und auch noch richtig lecker war. An sich kein schlechter Plan, aber gar nicht so einfach umzusetzen. Vor allem nicht, wenn einer der Beteiligten beschließt Ouzo mitzubringen. Auch nach reichlich Recherche habe ich bis zum heutigen Tag keinen Cocktail gefunden, den man mit Ouzo mischt, im Internet, wie in wiederholten Selbstversuchen, aber wir haben es an diesem Abend wirklich versucht. Außer dem Ouzo hatten wir Tequila, Rum, Vodka, verschiedene Fruchtliköre, Wein, diverse Säfte, Sirup,  Zitronen und Limetten. Nur eins, was eigentlich für so gut wie jeden Cocktail benötigt wird, hatten wir nicht: Eis, aber unserer Meinung nach braucht man sowas auch gar nicht, das verwässert ja nur den Cocktail. Außerdem hatten wir uns ein wirklich sehr ausgefeilschtes Bewertungssystem ausgedacht. Es gab einen Block, einen Stift und jeder sollte jeden Drink auf einer Skala von eins bis zehn bewerten. Ein simples System, das man auch betrunken noch gut hinkriegen sollte. Es waren also alle Vorbereitungen abgeschlossen und es wurde fröhlich losgemischt.

Zuerst die noch sinnvollen Resultate von diesem Abend. Vorweg sei noch gesagt, dass wir nie auch nur irgendetwas abgemessen haben, je später es wurde, desto stärker wurden die Getränke. Also:

  • Tequila und Rum schmeckt überraschend gut zusammen gemischt, vor allem mit Ananassaft, dann kriegt das ganze so ein schönes Urlausfeeling, gerne noch mit Zitrone am Rand garnieren und schon hat man etwas, das durchaus als Cocktail durchgehen kann. Wenn man möchte, kann man dazu noch ein bisschen Fruchtsirup, zum Beispiel Himbeere oder Grenadine, geben und schon hat man etwas, das einem Tequila Sunrise schon recht nahe kommt, vom Rum mal abgesehen. Richtige, wohlschmeckende, schon existierende Cocktails zu mischen war auch gar nicht der Plan.
  • Alle „Cocktails“ die einfach nur aus verschiedenen Fruchtsäften, Tomatensaft sei hierbei ausgenommen, und einer Art von Alkohol bestehen sind auch immer wunderbar zu trinken, wenn auch nicht sehr kreativ.
  • Berentzen Saurer Apfel und Cola ist eine überraschend gute Kombi. Es schmeckt ziemlich süß und ein bisschen nach Weihnachten. Wer also auch im Sommer die kalten Monate vermisst, sollte das hier mal ausprobieren.

Alles noch keine großartigen Erkenntnisse und unser höchst wissenschaftliches Bewertungssystem war auch nur sehr bedingt hilfreich. Vor allem wenn man nach dem dritten Cocktail aufhört seine Bewertungen aufzuschreiben, aber so ist das bei Betrunkenen halt.  Aber das war nicht das einzige Problem. Wir hatten nicht nur unser eigentliches Ziel vergessen, sondern einer hatte sich in Kopf gesetzt, mit dem vorher bereits erwähnten Ouzo einen leckeren Drink zu mixen. Ouzo, der ja nun mal nicht für seinen milden Geschmack oder die Verträglichkeit mit anderen Getränken bekannt ist, war keine gute Ausgangssituation. Was folgte waren gefühlte mindestens 20 gescheiterte Versuche, wenigstens irgendwas halbwegs Leckeres hinzubekommen. Und die fertig gemischten Getränke wollte man dann  auch nicht wegschütten, das wäre ja die reine Alkoholverschwendung. Es wurden also alle diese Ouzo-Cocktailversuche getrunken und teilweise sogar wieder bewertet. Manche haben sogar eine gar nicht so schlecht mit ein paar Fünfern und einer Sechs, was ich ihm nachhinein jedoch klar dem steigenden Alkohollevel zuschreiben würde.

Das Resümee des Abends betrug schlussendlich fünf leere Flaschen harten Alkohol, ein, zwei Flaschen Wein, ein vollgekotztes Klo und innige Freundschaft. Und auch wenn wir an diesem Abend nicht erreicht haben was wir eigentlich wollten, so war es doch einfach toll. Es hat unglaublich viel Spaß gemacht und es sei wirklich jedem nur zu empfehlen, so einen Abend selber zu veranstalten.

Ein paar kleine Tipps um so einen Abend vielleicht ein wenig zielgerichteter zu gestalten hätte ich dann aber doch noch:

Wenn Du selber unter die Barkeeper gehen willst, lade trinkfeste Freunde ein, sag ihnen, dass sie auch gerne ausgefallenen Alkohol mitbringen sollen, kümmere dich selber um Mischgetränke, Leute bringen lieber eine Flasche Rum mit als vier verschiedene Säfte, und hab einfach Spaß. Misch komische Sachen zusammen, ein bisschen Rosmarin oder Honig hat noch niemandem im Cocktail geschadet. Und wer weiß, vielleicht kommt sogar was Leckeres dabei raus. Lass den Ouzo weg, die Getränke werden signifikant besser schmecken. Und als allerletzten Tipp, nimm dir den nächsten Tag  frei. Du wirst es dir selber danken, denn einen Nachteil habe solche Abende schon, man wird einen Kater kriegen, egal ob man noch zwei Liter Wasser trinkt oder die Aspirin schon vor dem Schlafengehen nimmt. Ich spreche aus Erfahrung. Aber lasst euch davon nicht abhalten, den kleinen Kater ist es auf jeden Fall wert.

Und damit Du nicht ganz ohne Plan anfängst noch zwei Rezeptvorschläge, die fast nicht schiefgehen können:

  • Solero-Cocktail

    Zutaten für 2 Cocktails:

    • 10 cl Maracujasaft
    • 6 cl Orangensaft
    • 2 TL Zitronensaft
    • 2 TL Vanillesirup
    • 6 cl Vodka (nach Belieben anpassen)
    • Eis
    • 2 Orangenscheiben zum Garnieren

    Ansonten brauchst Du Cocktailshaker, Gläser und Strohalme.

    Zubereitung:   Alle Zutaten außer dem Eis und der Orangenscheibe in den Cocktailshaker füllen und gut schütteln. Eis in das Glas füllen, mit dem Gemisch übergießen und mit Orangenscheibe garnieren. Fertig!

  • Solero-Shots

    Zutaten:

    • 300 ml Vodka
    • 200 ml Sahne
    • 1 L Maracujasaft (Flasche aufbewahren)
    • Optional: 4 EL Vanillesirup

    Zubereitung:   Maracujasaftflasche zur Hälfte leeren, mit Vodka und Sahne aufüllen (optional auch mit Vanillesirup, wird dann aber sehr süß), schütteln und servieren.